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Donnerstag, 22. Februar 2007

Familienväter, Schüler, Nazis

In der Panorama-Sendung vom heutigen Donnerstag gab es einen Themenbereich mit dem Titel „Morden und Foltern als Freizeitspaß“, der sich mit den berühmt-berüchtigten „Killerspielen“ beschäftigten wollte. Ich muss sagen, ich habe schon viele schlechte Berichte zu diesem durchaus brisanten Thema gesehen, aber dieser toppte alles: u. a. wurde das Spiel „Call of Duty“ behandelt – eigentlich kein Problem, kann man doch durchaus die Darstellung von realitätsnahen Weltkriegsszenen als kritisch bezeichnen; aber das Eingangszitat zeigte schon, dass man hier keinen kritischen Bericht, sondern reine Meinungsmache und Polemik auf Bild-Niveau erwarten durfte:

Es sind täglich 20.000 Computerkämpfer in Call of Duty unterwegs, Familienväter, Schüler, Nazis.

Schon hier war der Bericht für mich gestorben, aber es kam noch besser: zu „GTA“ wurde gesagt, dass man möglichst viele Frauen vergewaltigen müsse, um zu gewinnen – hanebüchener Unsinn, dummes Rumgeschwafel sondersgleichen.

In diesem Stil ging der Bericht weiter, bis er die Zuschauer dann endlich erlöste und diese gut 5-minütige Folter beendete; um jedoch noch eins draufzusetzen, erzählte die Moderatorin ganz nebenbei, dass die Hersteller im Falle einer Verschärfung von § 131 StgB (was u. a. Beckstein und Konsorten fordern; im Prinzip alle CSU-Granden) damit gedroht haben, ins Ausland abzuwandern, was sie lapidar mit „Na dann.“ kommentierte.

Dass man nicht alles für die Wirtschaft tun muss und Jugendschutz vor Wirtschaftsschutz geht, ist klar – aber die derzeitige Gesetzeslage ist bereits die stärkste weltweit, der Jugendschutz in Deutschland ist bereits hervorragend. Es gibt keinen Grund, ihn noch weiter zu verschärfen - Aufklärung ist notwendig, nicht Repression durch Gesetze. Dies zu verkennen und gleichzeitig einen wachsenden und überaus gesunden Wirtschaftszweig aus Deutschland zu vertreiben ist nicht nur dumm und absurd, sondern wirtschaftsschädigend im höchsten Maße.