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Es werden Posts vom Mai, 2008 angezeigt.

Westliche Hybris

Plakative Beispiele für typisch westliche Hybris gibt es heute in Udo Vetters law blog zu finden. Wir und unsere Vorfahren haben es geschafft, die indigene Bevölkerung überall auf der Welt, ganz besonders in Amerika und Australien, empfindlich zu dezimieren, mitunter waren wir sogar in der Lage, sie komplett auszurotten (wie beispielsweise auf Kuba). Wenn man eines aus der Vergangenheit lernen kann, dann dieses: Ureinwohner haben nichts zu erwarten, aber viel zu befürchten, wenn sie zum ersten Mal in Kontakt mit der „Zivilisation“ treten.

Entsprechend kann ich die Krieger verstehen, die das sie ausspähende Flugzeug mit Pfeilen beschossen haben.

Eigenwerbung: Ich als Graf

Wer mich schon immer mal im Nadelstreifen bestaunenbewundern sehen wollte: dazu ist nächste Woche Gelegenheit. Die Theatergruppe Vogelfrei am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg führt den „Reigen“ von Arthur Schnitzler auf: ich habe die Ehre, den Grafen spielen zu dürfen.In einer Sommernacht treffen zehn Frauen und Männer aufeinander, die durch ihre Sehnsüchte und ihre Einsamkeit verbunden sind.

Sie suchen ihr Glück in kurzen amourösen Affären, quer durch alle Gesellschaftsschichten. Sie hoffen im anderen sich selbst zu finden und bleiben doch alleine. Wie in einem Tanz lösen sie sich in ihren Beziehungen ab, so dass sich immer neue Paarkonstellationen ergeben.

Dieses provokante Sittengemälde Schnitzlers war ursprünglich im Wien des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt. Es besitzt dennoch eine zeit- und ortsunabhängige Aktualität. Auch in unsere heutige Zeit versetzt, sehnen sich die Charaktere nach Glück und Liebe: vergeblich?

Kurz korrigiert

Lieber Herr Guratzsch: die älteste Universität Deutschlands ist nicht die Universität Leipzig, sondern die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (nach Prag und Wien sogar die drittälteste auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation). Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Recherche wäre nicht verkehrt - wer sich schon so grobe Schnitzer im Kleinen leistet, wird auch im Großen keinen Wert auf Korrektheit legen.

Ein gutes Gefühl

Demokratie ist ein mühseliges Geschäft - aber das Auszählen der Stimmen, egal bei welcher Wahl, ist jedes Mal aufs Neue ein gutes und angenehmes Gefühl. Partizipation und Teilhabe am Geschehen sind wichtige Elemente in unserer Gesellschaft, in allen Bereichen des Lebens: sei es in der „großen“ Politik, vor Ort bei der Kommunalwahl, im Gesangs- oder Schachverein oder einfach auf Uni-Ebene.

Der Druckt wirkt

Letztens habe ich mit einer Kommilitonin gesprochen. Zweites Semester Germanistik und Geschichte, Studiengang Lehramt, Studienziel Staatsexamen. Sie möchte nach drei Semestern fertig mit dem Grundstudium sein und nach vier Jahren mit dem Studium an sich - und macht sich schon jetzt Sorgen, dass sie möglicherweise mal keinen Job finden und/oder nicht verbeamtet werden wird. Deshalb knallt sie sich ihren Stundenplan voll mit Veranstaltungen, deshalb macht sie ein Praktikum nach dem anderen. Sozial engagiert, hoch intelligent - und Angst vor der Zukunft.

Dieses kleine Beispiel ist symptomatisch für die Situation in Deutschland: immer mehr junge Menschen, hervorragend ausgebildet, haben Angst vor der Zukunft. Und das ist ein Problem.

Anfang 20 sollte man sich keine Sorgen um die Zukunft machen (müssen), nicht in einem der reichsten Länder der Erde. Der Druck, erzeugt durch Wirtschaft, Medienmacht und Politik, wirkt: das Studium wird nicht mehr als Chance zur Bildung begriffen, sondern nur n…

Wolfgang will wohl mal wieder gerügt werden?

Beim letzten Mal habe ich es verpasst, meinen Unmut darüber kundzutun, dass Wolfgang Clement, Sozialdemokrat auf Abruf und RWE-Cheflobbyist, für sein parteischädigendes Verhalten nicht rausgeflogen ist - nun bringe ich es eben nochmal auf den Punkt: Wolfgang Clement hat in der SPD nichts mehr verloren. Seine letzten Äußerungen zur Kandidatur Gesine Schwans für das Amt der Bundespräsidentin haben wirklich das letzte bisschen Verständnis für ihn zerstört. Sein Kreditrahmen ist nun endgültig aufgebraucht. Auch ein ehemaliger Parteivize und Ex-Superminister kann sich nicht alles erlauben dürfen: langsam wird es Zeit, dass irgendjemand die Notbremse zieht und diesen Pseudo-Sozialdemokraten und Möchtegern-FDPler in seine Schranken weist und ihn rauswirft.

C-Parteien verstehen Demokratie nicht

Eigentlich wollte ich diesen Artikel mit Gut, die Wahl zu haben betiteln - nun stelle ich jedoch fest, dass das die Union ganz und gar nicht findet, sondern offensichtlich erwartet, dass die SPD den schwarz-gelben Bundespräsidenten Horst Köhler mitwählt, obwohl er noch immer ein schwarz-gelber Bundespräsident ist, und das nur, weil Horst Köhler voraussichtlich nächstes Jahr keine eigene schwarz-gelbe Mehrheit mehr in der Bundesversammlung mehr haben wird. Nun frage ich mal ganz naiv: was ist denn das für ein Demokratieverständnis, das die Union und Teile der Medien hier offenbaren? Seit wann ist es denn verboten, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, nur weil man sich in einer Koalition befindet? Was sind denn das für Albernheiten? Es gibt doch keinen Automatismus bei der Wahl zum Bundespräsidenten, es kann doch niemand ernsthaft wollen, dass die Sozialdemokraten kuschen und einen Kandidaten wählen, der niemals der ihre war und es auch nicht geworden ist, auch wenn er sich in den let…

„Mit 25 kann man schon mal etwas unsinniges sagen“

Stellen wir uns mal vor, die Juso-Bundesvorsitzende forderte doppeltes Wahlrecht für Schüler und Studenten, damit sich diese besser gegen die Widrigkeiten der bösen Welt und der Wirtschaft wehren können: würde da der nette Herr Heiner Geißler, CDU-Politikrentner und gerne gesehener Talkshow-Gast, ebenfalls Milde walten lassen und feststellen, dass man mit 25 schon mal was Unsinniges sagen könne? Wahrscheinlich nicht, wage ich zu behaupten. Möchtegern-Leistungsträger Gottfried Ludewig, der in der Vergangenheit durch Spalterei und Sähens von Unfrieden aufgefallen ist, hat wirklich Glück, dass seine abstrusen Forderungen nach einem Zwei-Klassen-Wahlrecht im aktuellen politischen Klima auf fruchtbaren Boden fallen. Wer einen Aufschrei der Empörung erwartet, wenn ein RCDS-Bundesvorsitzender vollkommenes Unverständnis vom Demokratie offenbart, muss in einem Land enttäuscht werden, in dem ein ehemaliger Bundespräsident ungestraft vor einer Rentner-Demokratie warnen darf.

Towel Day!

Heute ist/war Towel Day! Warum ein Handtuch so unglaublich wichtig ist, erklärt uns der Anhalter:
Ein Handtuch ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Einmal ist es von großem praktischem Wert – man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet; man kann unter den so rot glühenden Sternen in den Wüsten von Kakrafoon darunter schlafen; man kann es als Segel an einem Minifloß verwenden, wenn man den trägen, bedächtig strömenden Moth-Fluss hinuntersegelt, und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen – bescheuert wie e…

Das war nix, Peter

Ich kann es kaum fassen: Peter Struck, der Unbeugsame der Unbeugsamen, macht einen auf Populist und sagt die geplante Diätenerhöhung ab, weil wie erwartet Gegenwind aus Presse und Öffentlichkeit kam. Als wäre das nicht im Vorfeld klar gewesen. Nun muss sich der nächste Bundestag erneut damit beschäftigen, selbstverständlich wird dann der gesunde Volkszorn erneut emporkochen. Und natürlich wird sich so gut wie niemand - ganz besonders nicht die Bild-Zeitung - gemerkt haben, dass die Diätenerhöhung verschoben wurde. Außer Spesen nichts gewesen. Die Abgeordneten stehen wieder als maßlos da, die diversen Mandats- und Funktionsträger, die die Erhöhung verteidigt haben, gucken dumm aus der Wäsche. Was soll der Unsinn eigentlich? In zwei Jahren wird die Erhöhung vielleicht noch höher ausfallen und der Sturm der Entrüstung entsprechend - wo bleibt der Mut der Volksvertreter, auch mal eine missliebige Entscheidung durchzuziehen?

Studentische Hilfskraft

Heute habe ich folgendes Gelöbnis abgelegt und durch Handschlag bekräftigt: „Ich gelobe: Ich werde meine Dienstobliegenheiten gewissenhaft erfüllen und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland sowie die Gesetze wahren.“

Mit Gefangenenbefreiung ist nun ab sofort also auch Sense.

Gedenken an Douglas Adams

Heute jährt sich der Todestag von Douglas Adams zum 7. Mal. Er starb viel zu früh im Alter von nur 49 Jahren am 11. Mai 2001 an einem Herzinfarkt. Adams war Zeit seines Lebens ein Freund der Natur und der Tiere, ein sympathischer Mensch, der das Leben liebte. Mit seinem Hauptwerk, dem Anhalter, der „einzigen vierbändigen Trilogie in fünf Teilen“, bereicherte er nicht nur die Literatur, sondern beeinflusste eine ganze Generation mit den wunderbarsten und skurrilsten Einfällen, die man sich nur vorstellen kann. Sei es die 42 als ultimative Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, sei es der Sprachbarrieren niederreißende und deshalb Kriege verursachende Babelfisch, sei es Deep Thought, dem mächtigsten Computer, der jemals gebaut wurde. Auch der schwermütige, melancholische und suiziggefährdete Roboter Marvin hat seinen Platz in der Popkultur sicher, ebenso der egomanische und selbstverliebte Zaphod Beeblebrox, Präsident der Galaxis. Und natürlich Arthur D…

Shine a Light

Heute auf dem Heimweg sah ich auf einmal das Plakat für Martin Scorseses Rolling-Stones-Film Shine a Light und stellte fest, dass er eine Viertelstunde später beginnen würde. Kurzentschlossen bin ich nach einiger unfreiwilliger Abstinenz mal wieder ins Kino gegangen - und es hat sich gelohnt.

Es macht einfach Spaß, zuzusehen, wie da vier jugendliche Greise über die Bühne turnen und so tun, als wären sie gerade mal 20 oder 30. Die Musik ist ganz große Klasse, mein Lieblingssong des Films ist definitiv She Was Hot. Auch sehr amüsant fand ich den Zusammenschnitt verschiedener Interviews der Stones - in einem der ersten Interviews kann es sich Mick Jagger gerade mal vorstellen, dass sie nach zwei erfolgreichen Jahren vielleicht noch ein Jahr aktiv sein werden, in einem späteren äußert er schon zum Erstaunen des Reporters, dass er es sich vorstellen kann, das auch noch mit 60 zu machen.

Ebenfalls sehr sympathisch war mal wieder der leicht selbstironische Bill Clinton, der zwar nur ein paar w…

„Wir sind dreist, digga, dreist, digga, wir sind so dreist“

Grotesk: „Noch immer dürfen ausländische Katastrophenexperten nicht einreisen - und die Machthaber in Burma wissen auch warum: Bislang gibt die Militärjunta die wenigen Hilfsgüter, die sie ins Land lässt, offenbar als eigene Wohltaten aus.“ Die Menschen in Burma sind wahrlich zu bemitleiden. Hier wäre ein massives Eingreifen der internationalen Gemeinschaft mehr als wünschenswert.

(Das Zitat in der Überschrift ist übrigens von Samy Deluxe.)

Christian Wulff jetzt komplett abgehoben

Erstaunlich. Christian Wulff, der aalglatte Schwiegersohn-Liebling, der es geschafft hat, die Wahlbeteiligung in Niedersachsen bei der letzten Wahl durch nichtsagendes präsidiales Gehabe auf ein historisches Tief zu drücken, wovon er in nicht unbeträchtlichem Maße profitiert hat, bei dem niemand weiß, wofür er eigentlich steht, scheint sich komplett von der Realität verabschiedet zu haben:
WELT ONLINE: Angela Merkel wird 2020 nicht mehr im Kanzleramt sein. Wird sie ihren Nachfolger selbst ausgesucht haben oder wird sie aus dem Amt getrieben worden sein?
Wulff: Warum soll Angela Merkel 2020 nicht mehr Kanzlerin sein? Es kommt immer mehr auf Erfahrungswissen an. Sie ist dann noch nicht so lange im Amt wie Helmut Kohl 1998 im Amt war.

China, Tibet und der Dalai Lama

Ich finde es auf eine seltsame Art amüsant, wie führende Unions-Politiker Steinmeiner vorwerfen, er würde sich möglicherweise nicht mit dem Dalai Lama treffen. Ich kann es langsam nicht mehr hören, dieses ewige Gerede vom geknechteten Tibet, dieses Gefasel vom kulturellen Genozid an der tibetischen Kultur - warum eigentlich ist Tibet für Deutsche das heiligste aller Länder? Was unterscheidet Tibet von den anderen Regionen Chinas, denen es unter dem kommunistisch-turbokapitalistischen Regime Chinas auch nicht gerade gut geht und die teilweise auch lieber autark wären? Was soll diese Dalai-Lama-Geilheit, diese China-Besoffenheit, diese Buddhismus-Lobhudelei? Kein Wort von der wesentlich dramatischeren Situation der Menschen in Afrika, kein Wort davon, dass China Tibet wirtschaftlich vorangebracht hat. Das mysteriöse Tibet, unsagbar geheimnisvoll - und dann diese friedlichen Mönche mit ihren fremdartigen Kleidern, da verbietet sich doch gleich jegliche Kritik! Wann hat diese Tibet-Besess…

Jubii - einfach mehr als schlecht

Gerade habe ich den neuen Dienst von Lycos getestet: Jubii. Auf den ersten Blick bietet er so einiges: 10 GB Speicherplatz, Möglichkeit zum Chatten, Telefonie, ein Mediacenter zum Hochladen von Dateien und noch ein paar andere Schmankerl.

Auf den zweiten Blick jedoch ist das Interface absolut katastrophal, die E-Mail-Funktionen sind trotz Inspiration durch Gmail nicht wirklich intuitiv angelegt, es ist nicht möglich, im Profil etwas anderes als ICQ/AIM anzugeben; das Mediacenter ist absolut umständlich zu bedienen und passt Bilder standardmäßig auf Onlineformat an - das kann man zwar deaktivieren, ist aber ziemlich nervig und auch unnötig bei 10 GB Speicherplatz. Die kostenlose Telefonie ist streng reglementiert, nach nicht wirklich transparenten Regeln - man teilt sich offensichtlich mit allen Jubii-Nutzern gemeinsam ein Kontingent und darf immer nur 5 Minuten kostenlos telefonieren.

Die Importfunktion bestehender Kontakte ist vorsintflutlich, es ist nicht möglich, etwas anderes als ei…

Wahlmänner-Rechnungen

Zusätzlich zu meiner subjektiven Analyse der US-Wahl gibt es im sehr empfehlenswerten Blog von Georg Watzlawek, das sich ausschließlich mit der US-Wahl 2008 beschäftigt, eine umfangreiche und objektive Analyse, die die Frage klären soll, ob Obama McCain schlagen kann. (Watzlawek ist der Ansicht, dass die Vorwahlen endgültig gelaufen sind und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Clinton aufgibt, und ich bin geneigt, ihm zuzustimmen.)

Nach dem Lesen des Artikels ist man zwar ein wenig schlauer, an der Unsicherheit hat sich jedoch nichts geändert:
Unter dem Strich kann man nur festhalten, dass das Rennen offen ist. Obama kann McCain schlagen. Aber auch McCain kann Obama schlagen.

Bereit für McCain?

Da es momentan so aussieht, als ob Barack Obama die Vorwahlen tatsächlich gewinnen und der Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden wird, richte ich mich schon einmal darauf ein, dass nach der Wahl im November in Deutschland das Entsetzen groß sein wird, wenn der Kriegstreiber McCain zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde.

Warum bin ich so pessimistisch? Hillary Clinton hat in den Vorwahlen die wichtigen, stimmenstarken Staaten gewonnen, Barack Obama hingegen die Staaten, die tendenziell eher republikanisch wählen. Weiterhin wird Barack Obama die Debatte um seinen Hassprediger noch verfolgen: wenn ein paar Wochen vor der Wahl die konservativen Radiomoderatoren loslegen, kann er einpacken. Hier ist auch anzumerken, dass es unsinnig ist, anzunehmen, McCain bekäme nennenswerte Probleme wegen der Unterstützung eines christlichen Hardliners und Hasspredigers. Die Mehrheit der Amerikaner ist nun einmal eher konservativ eingestellt und dürfte an diesen Aussagen nicht nur …

Kann es sein?

Ist es wirklich möglich? Kann es wirklich sein, dass sich in Bayern eine Wechselstimmung anbahnt? Wird Bayern endlich in den Genuss eines demokratischen Regierungswechsels kommen, wird der Filz der letzten Jahrzehnte endlich aufgelöst werden? Die Amigo-Geschäfte von Strauß und seine Spezlhuber-Wirtschaft haben Bayern vielleicht wirtschaftlich nach vorne gebracht, die Verschmelzung von Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist dadurch jedoch so umfassend, dass die neue Regierung wohl die komplette Amtsperiode bräuchte, da auch nur notdürftig aufzuräumen.

Es ist viel zu tun. Glück auf, Genossen!

Neu! Neu! Neu!

Im Mai muss man ja geradezu aufräumen, das habe ich nun auch hier gemacht: neues Layout, erweiterte Blogroll. Wer aufgenommen werden möchte, möge eine Nachricht in den Kommentaren hinterlassen. (Außerdem habe ich die Werbung über Google AdSense entfernt, aus zweierlei Gründen: erstens sieht es blöd aus, zweitens kommt nichts bei rum.)

Öffentliche Pissoirs

Kurzer Nachtrag zum Amsterdam-Eintrag: ich habe selten etwas so Skurriles gesehen wie die öffentlichen Pissoirs, die in Amsterdam mitten in der Stadt rumstehen und auch noch in aller Öffentlichkeit genutzt werden (sehr liberales Land, wir erinnern uns). Schon voriges Wochenende war der Geruch teilweise ziemlich unangenehm, ich will gar nicht wissen, wie das erst im Hochsommer aussieht (bzw. riecht).

PS: Bei Flickr gibt es jetzt noch ein paar Amsterdam-Bilder von mir.

Bild: Florian Knorn (Lizenz)

Pro Diätenerhöhung

Um es mal kurz und knackig zu formulieren: ich bin stark dafür, dass Abgeordnete ordentlich bezahlt werden und somit unabhängig agieren können. Demzufolge bin ich über die Diätenerhöhung, die durch die Koppelung an die Gehälter von Richtern und Bürgermeistern mittelgroßer Städte kommen musste, wie theoretisch allgemein bekannt ist, keineswegs erbost. Das scheinheilige Getue der Opposition geht mir gleichzeitig gehörig auf die Nerven: klar stimmen die FDPler dagegen, weil sie wissen, dass die Mehrheit der Großen Koalition ausreichen wird - Nutznießer zu sein und dabei auch noch populistisch agieren zu können ist schon eine feine Sache. Gleiches gilt in noch stärkerem Maße für die Linkspartei-Abgeordneten: großspurig zu verkünden, den Diäten-Überschuss spenden zu wollen und dann doch nur Organisationen zu unterstützen, die man selbst oder die Parteimitglieder gegründet haben ist schon ziemlich wohlfeil. Und symptomatisch für die Lafontaine-Jünger.

Nationaler Sicherheitsrat

Immer und immer wieder tauchen von konservativer Seite die Forderungen nach Einsätzen der Bundeswehr im Inneren auf. Dass das gegen das Grundgesetz wäre, dass das von der Bundeswehr, von der Polizei und überhaupt von allen Experten, die Ahnung von der Materie haben, als Schwachsinn abgetan wird, ficht unsere Law-and-Order-Politiker nicht an. Die Bundeswehr soll es sein, und bitte auch im Inneren.

Der jüngste Vorschlag der Union geht natürlich weitaus weiter, wie verschiedentlich völlig zurecht festgestellt wird: ein Nationaler Sicherheitsrat, wie er der CDU und ihrer Schwesterpartei vorschwebt, würde das Parlament effektiv aushebeln und damit ein wahres Monster schaffen: einmal erteilte Kompetenzen kann man nur schwer wieder abziehen, der Nationale Sicherheitsrat würde sich im schlimmsten Fall zum Staat im Staat entwickeln. Dieses Mal ist die Union zu weit gegangen, das ist weitaus mehr als nur alter Wein in neuen Schläuchen. Das ist ein Angriff auf die Bundesrepublik, wie wir sie heut…

Telepolis, Heimat des Antiamerikanismus

Wer ab und zu eine ordentliche Dosis Antiamerikanismus braucht, der wird bei Telepolis zuverlässig und vorhersehbar bedient. So wie bei der aktuellen Meldung, die besagt, dass im modernen Amerika doof cool sei und allgemein mit den üblichen platten Vorurteilen daherkommt, die der durchschnittlich antiamerikanisch eingestellte Deutsche so gerne hört und von denen er felsenfest überzeugt ist: in Hollywoodfilmen gibt es nur Idioten, geographieunkundige Prominente werden genüsslich vorgeführt (als wäre das hierzulande auch nur ansatzweise anders, man erinnere sich nur an die Schönheitsköniginnen, die noch nicht einmal ihr eigenes Bundesland auf der Landkarte einzeichnen konnten). Natürlich darf das obligatirische Bush-Bashing nicht fehlen, ohne dieses ist kein Telepolis-Artikel komplett.

(Tendenziöse Artikel zur Präsidentschaftswahl findet man dort natürlich auch, McCain und Clinton werden systematisch niedergeschrieben, während Obama quasi als Messias gefeiert wird.)

Krause weg, rechtskonservativer Faschisten-Mob tobt

Ich gestehe: ich bin hocherfreut über die Tatsache, dass die angeblich linke Medienkampagne erfolgreich war und einen rechtskonservativen CDUler wie Peter Krause vom Amt des Kultusministers von Thüringen ferngehalten hat. Von mir aus kann er weiter seine Artikelchen in Schmierblättern wie der Jungen Freiheit schreiben, als Kultusminister indessen ist er völlig ungeeignet, wie sein letzten Äußerungen bewiesen haben. Es wird Zeit, dass es zu einem Wechsel der Regierung in Thüringen kommt.

PS: Und es ist mir tatsächlich eine echte Freude, den rechtskonservativen Mob unter den einschlägigen Artikeln in Blogs und Online-Zeitungen über Verschwörungen der linken Medienlandschaft geifern zu sehen. Da lacht das Herz, wenn zur Abwechslung mal nach der unsäglichen Wortbruch-Kampagne die Medien kein Herz für Rechtskonservative haben.

Ganz kurz notiert

Leider habe ich es bisher aus Zeitmangel versäumt, auf das christliche Festival Christival näher einzugehen, deshalb hier nur ganz kurz: es ist nicht hinnnehmbar, wenn evangelikale und fundamentalistische Christen mit mehr als zweifelhaften Seminaren Stimmung gegen Schwule und Lesben machen. Die Kritik an dieser Veranstaltung und damit auch an der Schirmherrin Ursula von der Leyen war mehr als berechtigt. Es ist nicht zu akzeptieren, wenn versucht wird, eine völlig natürliche sexuelle Ausrichtung zu diskriminieren. Wer das mit dem Hinweis auf den christlichen Glauben macht, dem spreche ich das Recht ab, sich Christ nennen zu dürfen. Denn mit christlicher Toleranz und Nächstenliebe haben solche menschenverachtenden Verhaltensweisen nun wirklich nichts zu tun.

Tausche Linken gegen Konservativen

Der rote Ken wurde abgewählt, der konservative Boris ist nun Bürgermeister von London. Um ehrlich zu sein, wundert mich das nicht sonderlich: aus weit entfernter Außenansicht-Perspektive habe ich das Gefühl, dass viele Londoner von dem sehr autoritären Führungsstil Livingsstones schlicht und ergreifend die Nase voll hatten und dann lieber einem seltsamen Konservativen vertrauen, der seinen Wählern schon mal verspricht, ihre Frauen bekämen größere Brüste und sie einen BMW M3, wenn sie die Torys wählen. Irgendwie passt Boris Johnson auch zu London: irgendwie verrückt, irgendwie schräg, irgendwie liebenswert.

Zurück aus Amsterdam

Über das verlängerte Wochenende war ich auf einer Exkursion mit der Fachschaft Geschichte der Uni Heidelberg in der schönen Stadt Amsterdam. Besucht habe ich unter anderem das Rijksmuseum, wo die Werke alter Meister zu bewundern waren, das Jüdische Mueseum, welches einen sehr guten Einblick in jüdisches Leben und Kultur vermitteln konnte; auch im Anne-Frank-Haus war unsere Gruppe: und obwohl das Anne-Frank-Haus nicht so viele Exponate bietet wie andere Museen, so vermittelt es dennoch genau wie andere geschichtsträchtige Orte ein Gefühl für die Situation normaler Menschen, die sich verstecken mussten, und das nur, weil sie als Juden von Unmenschen verfolgt wurden. Definitiv eine Empfehlung wert, wenn man mal zufällig in Amsterdam ist.

Das Widerstandsmusem hingegen war eher eine Enttäuschung: inhaltlich war es zwar hervorragend sortiert, ich habe auch viel Neues gelernt, so zum Beispiel auch über die Rolle der niederländischen Kolonien im Zweiten Weltkrieg - gleichzeitig jedoch ist dies…