Navigation

Freitag, 9. Mai 2008

Bereit für McCain?

Da es momentan so aussieht, als ob Barack Obama die Vorwahlen tatsächlich gewinnen und der Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden wird, richte ich mich schon einmal darauf ein, dass nach der Wahl im November in Deutschland das Entsetzen groß sein wird, wenn der Kriegstreiber McCain zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde.

Warum bin ich so pessimistisch? Hillary Clinton hat in den Vorwahlen die wichtigen, stimmenstarken Staaten gewonnen, Barack Obama hingegen die Staaten, die tendenziell eher republikanisch wählen. Weiterhin wird Barack Obama die Debatte um seinen Hassprediger noch verfolgen: wenn ein paar Wochen vor der Wahl die konservativen Radiomoderatoren loslegen, kann er einpacken. Hier ist auch anzumerken, dass es unsinnig ist, anzunehmen, McCain bekäme nennenswerte Probleme wegen der Unterstützung eines christlichen Hardliners und Hasspredigers. Die Mehrheit der Amerikaner ist nun einmal eher konservativ eingestellt und dürfte an diesen Aussagen nicht nur keinen Anstoß nehmen, sondern sie vielmehr eher begrüßen: außerdem ist es eine Sache, gegen den Islam zu hetzen - die eigene Gemeinde aufzufordern, God damn America zu beten, ist jedoch ein gänzlich anderes Kaliber.

Einerseits ärgert es mich natürlich, dass die Demokraten versagt haben, die Anti-Bush-Stimmung aufrecht und aktiv zu halten und lieber sinnlose Lagerkämpfe führen, andererseits denke ich mir auch, dass es sinnlos ist, sich über den Ausgang der Wahl große Gedanken zu machen. Ob es nun doch noch Clinton wird, ob es Obama schafft oder ob wieder ein alter weißer Mann an die Macht kommt: die Außenpolitik der Demokraten, der Republikaner und ihrer Kandidaten unterscheidet sich nicht wirklich. Kein künftiger Präsident kann es sich leisten, den Irak schnell zu verlassen, ohne die Region maßgeblich zu destabilisieren, kein Präsident wird den Druck auf den Iran ernsthaft verringern, kein Präsident wird plötzlich das Kyoto-Protokoll unterzeichnen. Kein Präsident wird Deutschland zu einem Sitz im Weltsicherheitsrat verhelfen, um mal die nationale Sicht reinzubringen - es ist sogar fraglich, ob ein demokratischer Präsident Al Gore oder John Kerry in Sachen Irak anders entschieden hätte: noch nie fühlte sich Amerika so verwundbar und verletzlich wie nach dem 11. September. Den Schock, auf eigenem Gebiet angegriffen worden zu sein, kann wohl kein Bürger des durch Jahrhunderte hinweg von Kriegen gebeutelten Europas nachvollziehen. Wäre John Kerry stark genug gewesen, den Falken in Washington zu widerstehen? Zweifel anzumelden ist hier sicherlich nicht völlig abwegig.

Ich glaube, sowohl Clinton wie auch Obama wären gute Präsidenten - Clintons Konzepte und Ansichten halte ich noch immer für sinnvoller, aber da kann man sicherlich auch anderer Ansicht sein. Was Amerika nicht gut tun wird, sind weitere 4 Jahre unter einem konservativen republikanischen Hardliner - aus diesem Grund und der Überzeugung heraus, dass Obama gegen McCain nicht gewinnen kann, hoffe ich trotz alledem ganz heimlich und verschämt noch immer auf die Superdelegierten.