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Es werden Posts vom März, 2009 angezeigt.

Tellerrand-Busting: Jo Stamp beim JuLi-Bundeskongress haut auf Libertäre ein

Ich muss hier mal eine Lanze brechen für die JuLis und hier ganz speziell für Joachim Stamp, der beim JuLis-Bundeskonkress am 15.03.08 sehr erfrischend auf weltfremde Libertäre und Anarcho-Kapitalisten eingehauen hat:



Jedenfalls sind viele Libertäre von der Realität ganz weit weg. [...] Wer eine solche Aussage von einem x-beliebigen Passanten erwartet, der hat schon lange nicht mehr mit einem x-beliebigen Passanten gesprochen. [...] Wenn wir das libertäre Konzept durchdenken [...], dann kommt das Faustrecht. Dann sind wir nicht in der Marktwirtschaft, dann sind wir im Wilden Westen. [...] "Für eine Handvoll Dollar" ist einer meiner persönlichen Lieblingsfilme, aber liebe Freunde, das ist doch kein Politikkonzept. Deshalb ist libertäre Traumtänzerei vom Leben ohne Staat auf einem ähnlichen Niveau wie die kommunistische Weltrovulition. Beides hat mit Liberalismus herzlich wenig zu tun. Der Markt allein kann nicht alles regeln. [...] Der Markt ist kein Zweck an sich.
Durchaus ein…

"Der kleine Baron in der großen Stadt"

Video entdeckt bei Malte Welding, den passenden Text gibt's in der SZ:
Wenn jemand nach New York fährt, und sei es um zu zeigen, wie bedeutend er ist, dann lässt er sich am Times Square fotografieren. Wenn es geht nachts, denn da blinken die vielen Lichter, die es so weder in Berlin noch in München und nicht einmal in Kulmbach gibt. Man stellt sich hin, lacht und breitet am besten noch die Arme aus. Was kostet die Welt? 50 Milliarden? Hundert? Egal, der kleine Baron ist endlich in der großen Stadt.

Grüne verlieren ehemalige Bundesvorsitzende Angelika Beer: twitternde Grüne kommentieren

Das ist natürlich unerfreulich für die Grünen: Angelika Beer, ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen und Mitglied des Europäischen Parlaments, ist beim Parteitag der Grünen in Schleswig-Holstein ausgetreten: "Der heutige Tag steht für einen Neubeginn. Das bedeutet für mich, Abschied zu nehmen von Bündnis 90/Die Grünen."

Die Reaktionen von twitternden Grünen sind durchaus unterschiedlich: während Reinhard Bütikofer, ebenfalls ein ehemaliger Grünen-Chef, etwas nebulös fragt, "wer wohl schuld dran ist" und den Austritt als "pathetisch" bezeichnet, findet Jan Seifert, Kreisvorsitzender der Grünen Pinneberg, den Austritt "voll daneben". Henning Schürig, Internetexperte der Grünen Baden-Württemberg und Mitglied im Landesvorstand, konstatiert: "Gut, dass wir sie auf der BDK nicht wieder fürs EP aufgestellt haben."

Über Twitter konnte man von dieser Neuigkeit übrigens eine gute halbe Stunde früher erfahren als über die "alten Medien". …

Was ist eigentlich eine "Billion"?

In den USA wird jetzt darüber gesprochen, "toxische" Papiere aufzukaufen - die Rede ist von "$1 trillion in size over time". (Eine "Trillion" im US-Englischen entspricht der "Billion" hierzulande.)

Diesen Wert kann sich aber niemand mehr vorstellen. Schon bei einer Milliarde macht das Gehirn eines Normalsterblichen nicht mehr mit, aber eine Billion US-Dollar für toxische Papiere? Wer soll das begreifen? Es ist ein reiner Zahlenwert, mehr nicht. Man verliert das Gefühl für den Wert dieser Zahl: man hört sie, nickt, "das ist aber viel", das war's.

Was 100 Euro sind, das weiß jeder. Was 1000 Euro sind, ist auch nicht schwer - 10.000 Euro hingegen sind schonmal eine Grenze. Dafür bekommt man einen schönen Kleinwagen. 100.000 Euro reichen für eine Eigentumswohnung, eine Million für ein Traumhaus. Mit 10 Millionen müssen Kinder und Enkelkinder nie mehr arbeiten, mit 100 Millionen kann man eine Mega-Yacht kaufen. 1000 Millionen? Man weiß es…

Rech sollte vor der eigenen Tür kehren

Die Polizei in Baden-Württemberg hat also ein Phantom gejagt. Ok, kann passieren. Hat zwar ein paar Millionen gekostet, aber die Millionen gingen wenigstens nicht an irgendwelche "notleidenden Banken". So weit, so gut.

Dass nun aber Innenminister Heribert Rech meint, den Hersteller der untauglichen Wattestäbchen haftbar machen zu wollen, das ist schon ziemlich dreist. Der werte Herr sollte lieber mal vor der eigenen Tür kehren und seinen Beamten klarmachen, dass man berechtigte Zweifel nicht einfach ignorieren muss, sondern ihnen durchaus auch nachgehen darf.

Deutsches Lagerdenken und Walter'sche Logik

Franz Walter versucht sich mal wieder an der Bewertung des politischen Tagesgeschehens, operiert jedoch mit irreführenden Zahlen:
Indes: Was hat sich real in den vergangenen Jahren in den politischen Basispräferenzen der Deutschen gewandelt? Das sogenannte linke Lager (SPD/Grüne/Linke) vereint in der Demoskopie durchschnittlich 46 oder 47 Prozent auf sich; die Werte für das altbürgerliche Lager aus CDU/CSU und FDP liegen eine Nuance höher. Mal oszilliert es hier, mal dort (denkbar) gering nach unten oder oben. Und das seit 2005. Unberechenbare Volatilitäten müssten anders ausschlagen.
Das kleine "seit 2005" ist aus einem einfachen Grund grob irreführend: seit 2005 gab es keine bundesdeutsche Wahl mehr - nur Umfragen. Andersrum wird vielmehr ein Schuh daraus: seit 1998 hat Schwarz-Gelb bei Bundestagswahlen keine Mehrheit mehr. Und das wird sich dieses Jahr nicht ändern.

Die Parteien spielen wieder einmal ihre uralten Lagerkämpfe nach, auch wenn sich die gesellschaftlichen Mental…

Phantomjagd und Sehnsucht nach mehr Daten

Da hat die Polizei wohl einen großen Bock geschossen: das angebliche Phantom, das für mehrere Morde verantwortlich sein soll, hat es anscheinend nie gegeben. Dass Carsten Hohoff, "Biochemiker am Institut für Forensische Genetik in München", sich aber aus Konsequenz daraus nicht zu schade ist, das Anlegen einer weiteren Datenbank zu fordern, das ist wirklich ein schlechter Scherz:
Weiterhin, so Hohoff, könnte man die DNA-Profile aller Mitarbeiter von Herstellerfirmen in eine zentrale Datenbank einspeisen. Hat man dann ein kriminologisches Gen-Profil erstellt, könnte man dies mit den Profilen der Mitarbeiter der Herstellerfirmen abgleichen.
Sinnvoller wäre es vielleicht, auch den gesunden Menschenverstand zu nutzen. Es kann doch nicht sein, dass niemand skeptisch wird, wenn immer mehr und mehr neue Fälle mit dem "Phantom" in Verbindung gebracht werden?

Meine These: von den Verantwortlichen wollte sich niemand Fehler eingeschehen. Nun sind sie bis auf die Knochen blamier…

FDP leidet an Enteignungsphobie

Ich bin mittlerweile wirklich der Überzeugung, die FDP leidet an einer Art Enteignungsphobie. Wie kann man denn ernsthaft etwas gegen die Enteignung der HRE-Aktionäre haben?

Zur Erinnerung, für die, die es noch nicht mitbekommen haben: die Hypo Real Estate existiert nur noch, weil der Staat Geld reingeschossen hat. Wäre der Staat nicht eingeschritten, wäre die Hypo Real Estate den Bach runtergegangen und die Aktionäre hätten keinen einzigen Cent gesehen.

Und da erdreistet sich der FDP-Hessen-Hahn doch tatsächlich, die Bundesregierung aufzufordern, dem Großaktionär Flowers ein "vernünftiges finanzielles Angebot" zu machen.

Und diese Partei ist strahlender Umfragesieger. Wahnsinn.

Althaus'sche Realbergsatire

Ich dachte ja eigentlich, das sei einfach nur unlustige Spiegel-Satire:
"Mein Mann ist über den Berg", berichtete Frau Althaus der "Bild"-Zeitung. "Es geht bergauf", assistiert Regierungssprecher Fried Dahmen und Dieter Althaus selbst verkündet: "Die Talphase habe ich hinter mir. Jetzt geht es aufwärts!" Wie das nächste Wahlplakat der CDU in Thüringen aussehen wird, liegt da wohl auf der Hand...
Dann werde ich stutzig, schmeiße Google an und stelle fest: das sind Originalzitate. Irre.

Ministerpräsident Dieter Althaus: "Die Talphase habe ich hinter mir. Jetzt geht es aufwärts."
Regierungssprecher Fried Dahmen: "Es geht bergauf."
Katharina Althaus: "Ich bin dankbar dafür, dass mein Mann den Skiunfall in Österreich trotz seiner erheblichen Verletzung überlebt hat und inzwischen über den Berg ist."

Wie ungeschickt kann man sich eigentlich ausdrücken?

Zur Erinnerung: Dieter Althaus ist beim Skifahren bergauf gefahren, wodurch e…

Torsten Albig ist neuer Oberbürgermeister von Kiel

Amtierende Bürgermeister abzuwählen ist immer besonders schwer, gerade in großen Städten wie Kiel - sie sind stadtweit bekannt und ständig präsent. Torsten Albig von der SPD (52,01%) ist das Kunststück gelungen, die CDU-Amtsinhaberin Angelika Volquartz (41,20%) aus dem Kieler Rathaus zu vertreiben.

Die Wahlbeteiligung war, wie es bei Bürgermeisterwahlen leider fast schon normal ist, erschreckend niedrig: sie betrug nur 36,5 Prozent.

Mich interessiert dabei: welche Auswirkungen hatte der meines Erachtens sehr gute Online-Wahlkampf von Albig auf das Wahlergebnis? Konnte Albig die entscheidenen Wählerinnen und Wähler mobilisieren und dadurch eine Stichwahl vermeiden?

Es wäre super, gäbe es dazu in absehbarer Zeit eine ausführliche Wahlanalyse.

Open Access: Die taz ist völlig ahnungslos

Wikipedia:
Als Open Access (englisch freier, kostenloser Zugang) wird der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet bezeichnet. Ein wissenschaftliches Dokument unter Open-Access-Bedingungen zu publizieren bedeutet für jedermann mit Internet-Zugang die Erlaubnis, ein Dokument lesen, herunterladen, speichern, es verlinken, drucken und damit entgeltfrei nutzen zu können. Darüber hinaus können über Freie Lizenzen den Nutzern weitere Nutzungsrechte eingeräumt werden, die die freie Nach- und Weiternutzung, Vervielfältigung, Verbreitung oder auch Veränderung der Dokumente ermöglichen können. Bei der wissenschaftlichen Fachliteratur kann es sich um frei zugängliche Beiträge in Elektronischen Zeitschriften, um Preprints oder Online-Versionen von Beiträgen in Büchern und Zeitschriften handeln (Postprints), die von den Wissenschaftlern auf den Servern freier Elektronischer Zeitschriften, universitären oder institutionellen Archiven, fachbezogenen Servern ode…

Dass Deutschtürken Rot-Grün wollen, das sollte wirklich niemanden wundern

In der Welt ist gerade zu lesen, dass Deutschtürken mit überwältigender Mehrheit Rot-Grün wollen. Aber ist das ernsthaft eine Überraschung?

Jürgen Rüttgers (CDU) machte mit "Kindern statt Indern" auf sich aufmerksam.
Bei Roland Koch (CDU) konnte man bei der vorletzten Wahl "gegen Ausländer unterschreiben".
Günter Beckstein (CSU) wollte 2002 Ausländer, die Sozialleistungen beziehen, schneller abschieben können.
Günther Oettinger (CDU) bezeichnete den ehemaligen Nazi-Richter Hans Filbinger in dessen Grabrede als "Gegner des Nazi-Regimes".
Dem möglichen EU-Beitritt der Türkei legt die Union ständig neue Steine in den Weg.
Roland Koch (CDU) war 2008 der Meinung, es gäbe zu viele "junge kriminelle Ausländer".

Die Liste ist endlos. CDU und CSU ernten, was sie säten. Ich kann daran nichts Erstaunliches, Überraschendes oder gar Schlechtes entdecken.

Zusammenfassung von Erwachsen-bist-Du-Liste

Bei Facebook gefunden:
Erwachsen bist du wenn ...

1. Du im Kühlschrank mehr Essen als Getränke hast.
2. Du um 6:00 Uhr morgens aufstehst, anstatt ins Bett zu gehen.
3. Du nicht mehr von mittags bis 20.00 Uhr abends pennen kannst.
4. Du Kornflakes tatsächlich zum Frühstück isst oder Brot und Kaffee statt Spiegeleier und Bier.
5. Eine Ladung Chicken-Wings und Wiener Schnitzel um 3.00 Uhr morgens deinen Magen eher be- als entlastet.
6. Du dir bevor du weggehst keine Kurzen reinziehst, um Geld zu sparen.
7. Deine Lieblingssendungen Koch-Shows sind.
8. Du dein Lieblingslied bei Tengelmann hörst.
9. Deine Urlaubstage sich von 6 Monaten auf 24 Tage reduzieren.
10. Abendessen und Kino das Ende statt der Anfang einer wunderbaren Nacht sind.
11. Du nicht weisst, wann McDonalds zu macht.
12. Du Sex im 90cm Einzelbett für unmöglich hälst.
13. Dir auf der Couch zu schlafen Rückenprobleme bereitet.
14. Deine Freunde heiraten und sich scheiden lassen, anstatt miteinander zu gehen und wieder Schluss zu machen.
15. A…

Twitter: Mal wieder Holger Krahmer

Mittlerweile glaube ich, Holger Krahmer braucht einen Twitter-Berater:


Opel ist ein unüberschaubar großes Unternehmen, dass nie profitabel war und deshalb auch jetzt kein Geld kriegen sollte.

Grüne Ampel-Debatten sind völlig nutzlos

Ich verstehe nicht so richtig, wieso einige prominente Grüne sich auf eine Ampel-Koalition vorfestlegen wollen. Das kann man einmal äußern, meinetwegen auch zweimal, aber damit Wahlwerbung machen? Reichlich skurril, wenn einer der beiden Koalitionspartner, nämlich die FDP, von dem eifrigen Werben gar nichts wissen will und sich vielmehr sogar noch darüber lustig macht.

Dass die Spitzengrünen hier gegen die Grünenbasis operieren, das gibt es auch in anderen Parteien - sinnvoll war es aber selten bis nie. Die Weisheit der Basis ist keine bloße Floskel. (Auch der Bahn-Börsengang sollte gegen den erklärten Willen der SPD-Basis durchgesetzt werden - glücklicherweise konnte die Privatisierung erst verschoben werden, nun dürfte sie endgültig vom Tisch sein.)

Wenn sich nun ganze Landesverbände gegen eine Koalitionsaussage hin zur FDP mit der Begründung, die FDP sei der parlamentarische Arm der Heuschrecken, aussprechen, dann sollten Künast und Trittin endlich aufwachen und die Sinnlosigkeit ihr…

Colbert spricht über die "Rand Illusion"

Im Jahr 1991 fragte die Kongressbibliothek die Mitglieder des Book of the Month Club, welche Bücher den größten Einfluss auf ihr Leben gehabt hätten. Der erste Platz war keine Überraschung: Die Bibel. Danach kam ein Roman: Atlas Shrugged von Ayn Rand aus dem Jahr 1957.
Bei USA Erklärt gibt es mehr Hintergrundinfos zu Buch, Philosophie und Frau; wer diesen Eintrag gelesen hat, hat mit dem neuesten Video der Colbert Show weitaus mehr Spaß (echte Männer lesen "Atlas Shrugged" komplett und auf englisch, so wie ich).

The Colbert ReportMon - Thurs 11:30pm / 10:30c The Word - Rand Illusion Colbert Report Full Episodes
Political Humor Rap Battle
NASA Name Contest



Treffend und auf den Punkt.

Linksammlung zur Causa Tauss

Zu den Vorgängen um Jörg Tauss, den ich persönlich kenne und schätze, wollte ich mich eigentlich nicht weiter äußern. Mittlerweile finde ich es jedoch erschütternd, dass die Unschuldsvermutung offensichtlich nichts mehr gilt und ein Mensch von der Presse derart vernichtet wird - und die Staatsanwaltschaft ihre Kompetenzen weit überreizt. Deshalb nun ein paar Artikel zu der Thematik, die etwas anders als die Mainstream-Presse berichten:

eigentümlich frei: "Kinderpornographie: Jörg Tauss ist nicht irgendwer":
Nun kann man aus der Ferne naturgemäß kaum eine Aussage über die Plausibilität oder den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe treffen, die immerhin dem zuständigen Parlamentsausschuss überzeugend genug erschienen, um Tauss' Immunität aufheben zu lassen. Doch allein die Beschäftigung mit den Begleitumständen wirft einige Fragen auf. Zuallererst einen der -ähnlich wie im Fall Zumwinkel- an vorsätzliche Rufschädigung grenzender Umgang mit der rechtsstaatlichen Unschuldsvermutung. D…

Sensation: Studenten gründen freies Internetlexikon!

Das war noch nie da: drei Hamburger Studenten haben das freie Internetlexikon EXIKA gegründet, das zum Ziel hat, "Informationen in einer möglichst verständlichen und kurzen Form darstellen". Mit Wikipedia habe das übrigens nichts zu tun, denn:
Das Internet ist voller Informationen und besonders diese Informationsflut schreckt viele Internetuser ab. EXIKA möchte mit kurzen und einfachen Inhalten den Spaß am selbstständigen Lernen wecken.
Verrückt.

Ist die SPD eine "professionalisierte Wählerpartei"? Gedanken zum Parteienspektrum in Deutschland

Lars Castellucci wurde von einer Schülerin gefragt, was er von den Begriffen "Volkspartei" und "professionalisierten Wählerpartei" halte; seine Antwort finde ich gut, ich möchte sie hier noch weiter ausbauen.

Ich denke nicht, dass die Zeit der Volksparteien vorbei ist. Die SPD und die Union sind in einer Krise, das ist nicht zu bestreiten. Doch einen Wandel hin zu einer "professionalisierten Wählerpartei" sehe ich nicht: noch immer sind die Ortsvereine aktiv, noch immer wird dort diskutiert, gearbeitet und auf kommunaler politischer Ebene gekämpft.

Natürlich ist klar, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist: beide Volksparteien leiden am Mitgliederschwund, sei es durch Austritt oder Tod. Die Große Koalition tut ihr Bestes, um Menschen das Gefühl zu geben, auf Politik keinen Einfluss zu haben - die Vokabel "durchregieren" ist schlichtweg demokratiefeindlich.

Die Krise der Volksparteien ist auch eine Krise der bundesrepublikanischen Demokratie. Aber …

Warum äußert sich Horst Köhler nicht so klar wie Gesine Schwan?

Gesine Schwan hat in der Debatte um Erika Steinbach klar Stellung bezogen:
Die Polen haben in ihrer Personalpolitik auf deutsche Sorgen Rücksicht genommen. Unter Ministerpräsident Tusk hat man viele Gegner Deutschlands aus ihren politischen Ämtern entfernt und durch Personen ersetzt, die für die deutsch-polnische Verständigung stehen. Und man hat sich mit dem deutschen Projekt des „Sichtbaren Zeichens“ arrangiert. Die Vorgängerregierung war noch strikt dagegen gewesen. Die polnische Seite – mit Wladyslaw Bartoszewski an der Spitze – hat innenpolitisch eine Menge riskiert, in dem sie diesen Kurswechsel eingeleitet hat: Das sichtbare Zeichen wird in Warschau nun nicht mehr als Kampfansage gegen Polen gesehen.

Die einzige implizite Erwartung der Polen war, dass nicht Frau Steinbach in das Kuratorium berufen wird, weil dies die Angst fördert, dass in Berlin doch das alte Projekt eines „Zentrums gegen Vertreibungen“ realisiert wird. Wenn nun polnische Politiker sagen, wir erwarten, dass auc…

Hintergrundinfos zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Klaus Graf liefert in seinem Blog "Archivalia"in mehrerenEinträgen und AktualisierungenHintergrundinfos zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Man kann wohl schon jetzt feststellen, dass der Verlust für die Forschung in Worten kaum auszudrücken ist. Momentan sieht es ganz danach aus, als sei der Einsturz durch die langjährigen U-Bahn-Arbeiten mitverursacht worden.

"Linkspartei" in Rheinland-Pfalz in desolatem Zustand

Die "Linkspartei" in Rheinland-Pfalz scheint nur aus Chaoten zu bestehen. Ein Kindergarten ist dagegen harmlos:
Es ist schon mehr als traurig, was sich da eine reaktionäre Clique von Gewerkschaftlern aus der 2. Reihe und einige gescheiterte Ex-SPDler alles erlaubt, wenn es um die Verteilung von einflussreichen und vor allem einträglichen Pöstchen aus dem Steuersäckel geht! - Nicht nur, dass die traditionellen Werte linker Parteien wie Zusammenhalt, Solidarität und der Einsatz für das Ziel eine "sozial gerechte Gesellschaft zu schaffen" völlig außer Acht gelassen werden, sondern auch dass ungestraft Regeln des demokratischen Rechtsstaates vielerorts ignoriert werden.
Der Schlussfolgerung des Artikels kann ich mich anschließen:
Geht es so weiter mit den LINKEN, so ist es nur eine Frage der Zeit bis diese Truppe wieder von der Bildfläche bzw. aus der parteipolitischen Landschaft in der BRD verschwinden, wie durchaus auch professionelle und namhafte Analysten des Gescheh…

"Future Man" erzählt von der Zukunft

Wichtigmensch 1: Leute werden also "tweeten" was sie zum Frühstück essen?
Wichtigmensch 2: Und Bilder ihres Frühstücks bei einem "Facebook" "hochladen"?
Wichtigmensch 3: Und andere Leute werden die Frühstückbilder anschauen und kommentieren?
Wichtigmensch 4: Ohne dich beleidigen zu wollen, Zukunftsmensch, aber ist in deiner Zeit jeder behindert?
Zukunftsmensch: Tut mir Leid eure Träume zu zerstören, Leute, aber ihr habt gefragt. Jup, das ist die Zukunft.

(Bild bei Nico gefunden, die schlechte Übersetzung ist von mir.)

Unfassbar gutes Essay zum "Gucci-Kapitalismus" im Handelsblatt

Noreena Hertz, Professorin für Globalisierung an der Rotterdam School of Management, hat im Handelsblatt ein unfassbar gutes Essay zum Ende des "Gucci-Kapitalismus" veröffentlicht:
Fünftens und letztens: Wir sehen nicht nur auf Regierungsebene Anzeichen einer stärkeren Zusammenarbeit. Die Annahme des Gucci-Kapitalismus, alle Menschen seien egoistisch, super-individualistisch und nur damit beschäftigt, ihren eigenen Reichtum zu maximieren, stellt sich mehr und mehr als eine fehlerhafte Hypothese der Mainstream-Ökonomen heraus. Es ist wahr, in den letzten beiden Jahrzehnten gab es eine wachsende Fixierung auf materielle Werte. Aber das war wohl mehr eine Frage der Einstellung als eine der menschlichen Natur. Soziologische Studien zeigen, dass Angehörige armer Gesellschaften eher miteinander teilen.
Es ist wahr: der Mensch ist nicht von Natur aus Egoist. Im Gegenteil: Menschen brauchen Gemeinschaft, brauchen Zusammenhalt. Wollen gemeinsam arbeiten, nicht gegen einander.

Wenn die S…

Was ist eigentlich ein "Politiker"?

Anlässlich des Artikels "CDU-Politiker gesteht Heroinhandel" fragte ich mich, warum Andreas Zwickl hier als CDU-Politiker bezeichnet wird - er hat schließlich kein Mandat inne und ist auch nicht in exponierter Stellung für seine Partei tätig.

Auf Twitter erntete ich prompt Widerspruch: Politiker sei jeder, der ein Parteiamt innehabe. Auch Jörg Tauss stellte auf Facebook die (rhetorische) Frage, ob es keine ehrenamtlichen Politiker ohne Mandat gäbe.

Die Wikipedia-Defintion gibt mir schonmal nicht Recht, nach dieser ist tatsächtlich jeder, der ein Parteiamt inne hat, auch Politiker - wenn auch nur ehrenamtlich:
Als Politiker wird eine Person bezeichnet, die ein politisches Amt oder ein politisches Mandat innehat. Meist wird sie dabei von Parteien und Verbänden unterstützt. Politiker agieren auf allen Ebenen eines Staates (Bund, Bundesland oder Gemeinde) oder einer Partei. Politische Ämter können Regierungsämter (z. B. Minister) oder ein Amt in einer Partei (z. B. Parteivorsitzend…

Köln schlägt Lissabon 10:2

Friedrich Küppersbusch auf die taz-Frage "Der FC Bayern spielt wechselhaft wie selten. Verliert gegen den 1. FC Köln, putzt kurz später Lissabon mit 5:0. Ist Klinsmanns Rotationsprinzip daran schuld?":
Mooooment. Köln schlug Bayern 2:1, Bayern wiederum Lissabon 5:0. Das heißt aus Kölner Sicht zunächst mal: Köln schlägt Lissabon indirekt 10:2. Tja. Wir hatten in Dortmund auch so 'ne Phase, als sich eine heillos überbezahlte Mannschaft nur noch bei großen internationalen Spielen dem nächsten Club empfehlen wollte, daheim gegen Bielefeld dann aber unmotivierten Mumpitz spielte. In der Regel findet das Management, es spare Geld, wenn es dann einen Trainer statt zehn Spieler feuert. Das war in Dortmund allerdings ein Trugschluss.
Sehr sympathisches Interview.

Dirk Kurbjuweit kann keine Website empfehlen

Dirk Kurbjuweit, "Spiegel"-Hauptstadtbüro-Leiter, antwortet auf die Tagesspiegel-Frage "Welche Website können Sie empfehlen?" folgendermaßen:
Ich bin so gut wie gar nicht im Netz unterwegs und kann deshalb keine Website empfehlen. Stattdessen empfehle ich die Monatszeitschrift „Merkur“. Dort finden sich immer ausgeruhte, kluge Essays.
Peter Glaser lässt das unkommentiert stehen, Mario Sixtus hingegen bemerkt leicht zynisch:
Ah, das erklärt einiges: http://tinyurl.com/bmtvgl #spiegel