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Freitag, 20. März 2009

Open Access: Die taz ist völlig ahnungslos

Wikipedia:
Als Open Access (englisch freier, kostenloser Zugang) wird der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet bezeichnet. Ein wissenschaftliches Dokument unter Open-Access-Bedingungen zu publizieren bedeutet für jedermann mit Internet-Zugang die Erlaubnis, ein Dokument lesen, herunterladen, speichern, es verlinken, drucken und damit entgeltfrei nutzen zu können. Darüber hinaus können über Freie Lizenzen den Nutzern weitere Nutzungsrechte eingeräumt werden, die die freie Nach- und Weiternutzung, Vervielfältigung, Verbreitung oder auch Veränderung der Dokumente ermöglichen können. Bei der wissenschaftlichen Fachliteratur kann es sich um frei zugängliche Beiträge in Elektronischen Zeitschriften, um Preprints oder Online-Versionen von Beiträgen in Büchern und Zeitschriften handeln (Postprints), die von den Wissenschaftlern auf den Servern freier Elektronischer Zeitschriften, universitären oder institutionellen Archiven, fachbezogenen Servern oder auf ihren privaten Websites frei zur Verfügung gestellt werden. Open Access schließt auch das Zugänglichmachen von wissenschaftlichen Primär- und Metadaten, Quellentexten und von digitalen Reproduktionen ein.

Klingt super, oder?

Freies Wissen, für alle Menschen weltweit - ein wahrhaft demokratischer Ansatz.

Die taz scheint das anders zu sehen. Der Artikel zeugt von so einer Unkenntnis des Sachverhalts, dass es schon richtig schmerzt.  Ein einziger Blick in Wikipedia hätte geholfen. Was ist aus der linken taz geworden, die hier den reaktionären Besitzstandswahrer gibt?

Eine umfangreiche Sammlung von Erwiderungen auf die Anti-Open-Access-Hetze liefert Klaus Graf; in dessen Blog "Archivalia" findet man weiterhin noch weitere Hintergrundinformationen zu Open Access - und zu den Feinden von Open Access.

Exemplarisch zitiere ich an dieser Stelle Klaus Graf, der es meiner Meinung nach besonders präzise auf den Punkt bringt:
Weder Open Access noch Google Book Search bedeuten in irgendeiner Weise eine Bedrohung unserer literarischen und wissenschaftlichen Kultur - sie stellen beide - wenngleich in unterschiedlicher Weise - ungeheure Chancen für die künftige Entwicklung der Wissensgesellschaft dar.

Als Wissenschaftler stelle ich fest: Fachbücher sind für die eigene Bibliothek kaum mehr finanzierbar, auch Fachzeitschriften sind selbst im Bereich Geschichtswissenschaft recht teuer. Da es sich um Monopole handelt, kann ich nicht einfach zum günstigeren Anbieter wechseln. Die Verlage kassieren im Bereich Wissenschaft gnadenlos ab. Da ist es doch mehr als verständlich, dass sich Widerstand artikuliert und man darauf insistiert, dass der Staat öffentlich geförderte Forschungsergebnisse nicht zweimal bezahlt.

Dass Verlage etwas dagegen haben, ihr ausgezeichnetes und hoch profitables Geschäftsmodell zu verlieren, das im Grunde genommen auf nichts anderem als der Ausbeutung der Autoren beruht, das ist nachvollziehbar. Aber kann wohl kaum ernsthaft die Position der taz sein, wenn sie ihre Ideale nicht völlig vergessen haben sollte.