Direkt zum Hauptbereich

Der Druckt wirkt

Letztens habe ich mit einer Kommilitonin gesprochen. Zweites Semester Germanistik und Geschichte, Studiengang Lehramt, Studienziel Staatsexamen. Sie möchte nach drei Semestern fertig mit dem Grundstudium sein und nach vier Jahren mit dem Studium an sich - und macht sich schon jetzt Sorgen, dass sie möglicherweise mal keinen Job finden und/oder nicht verbeamtet werden wird. Deshalb knallt sie sich ihren Stundenplan voll mit Veranstaltungen, deshalb macht sie ein Praktikum nach dem anderen. Sozial engagiert, hoch intelligent - und Angst vor der Zukunft.

Dieses kleine Beispiel ist symptomatisch für die Situation in Deutschland: immer mehr junge Menschen, hervorragend ausgebildet, haben Angst vor der Zukunft. Und das ist ein Problem.

Anfang 20 sollte man sich keine Sorgen um die Zukunft machen (müssen), nicht in einem der reichsten Länder der Erde. Der Druck, erzeugt durch Wirtschaft, Medienmacht und Politik, wirkt: das Studium wird nicht mehr als Chance zur Bildung begriffen, sondern nur noch als bloßes Mittel zum Zweck. Menschen, denen im Vergleich zur weit überragenden Mehrheit der weltweiten Bevölkerung alle Türen offenstehen, die mehr Möglichkeiten in den verschiedensten Bereichen haben, als irgendeine Generation vor ihnen, sind so besorgt um ihre Zukunft, dass sie nicht merken, die Gegenwart zu verpassen. Leben bedeutet zu leben und nicht nur, seinen persönlichen Wert im weltweiten Wettstreit zu steigern. Die Gesellschaft verliert ihre klügsten Köpfe, wenn diese sich nicht zwanglos für das entscheiden können, was sie interessiert, sondern das nehmen, wovon sie sich die größten Zukunftschancen versprechen. Deutschland als Wissensland ohne natürliche Resourcen braucht alle Geistesgiganten - und nicht nur die, die mit gutem Elternhaus ausgestattet das studieren können, wozu sie Lust haben.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Totale und geschützte Freiheit: GPL und BSD

Der Platzhirsch unter den Freie-Software-Lizenzen ist die GPL, die GNU General Public Licence. Sie wurde hauptsächtlich von Richard Stallman geschrieben, dem Gründer des GNU-Projekts, und kann ohne Übertreibung als „größter Hack in der Geschichte des Urheberrechts“ bezeichnet werden.

Die GPL hat das Ziel, so viel Software wie möglich zu Freier Software zu machen; die Entscheidung, die GPL zu verwenden, ist somit auch immer ein Stück weit ideologisch motiviert. Im Gegensatz zur GPL haben BSD-artige Lizenzen kein Copyleft; dies bedeutet, dass davon abgeleitete Software nicht unter der gleichen Lizenz stehen muss. GPL-geschützte Software hingegen macht jegliches Programm, das auf GPL-Quelltext zurückgreift, ebenfalls zu GPL-Software. Diese Eigenschaft wird von Microsoft gerne als „virusartig“ und Linux als „Krebsgeschwür“ beschrieben. Im Grunde genommen die übliche Mircosoft’sche FUD-Politik, die das Ziel hat, gezielt Fehlinformationen zu verstreuen und potenzielle Nutzer abzuschrecken. E…

Zur Zusammenarbeit von CDU und Linkspartei

Weil gerade auf Twitter einige CDU-Nachwuchspolitiker vor Kraft kaum mehr laufen können und rumproleten, dass es niemals auch nur irgendeine Zusammenarbeit zwischen CDU und Linkspartei gäbe, erlaube ich mir, auf einen schon etwas älteren Blog-Eintrag von Michael Neumann hinzuweisen:
In Zwickau sind Absprachen zwischen CDU und Linkspartei Alltag. So wurde der Zwickauer Bevölkerung in einer Zeitungsanzeige, in der die CDU gemeinsam mit der Linkspartei sowie der „AG Zwickau“ (Wählervereinigung) für die Streichung von zwei der fünf Beigeordnetenposten warb, mitgeteilt: „Diese drei Fraktionen vertreten (…) den überwiegenden politischen Willen und sind gemeinsam in der Lage, diesen in Beschlüsse münden zu lassen.“ (Wochenspiegel, 23.4.2008, FAZ, 10.6.2008).

In Cottbus kandidierte im Oktober 2006 der CDU-Politiker Holger Kelch unter dem Dach eines Wahlbündnisses mit der damaligen Linkspartei.PDS für das Amt des Oberbürgermeisters. Er verlor zwar gegen den Kandidaten der SPD, Frank Szymanski. D…

BADABOOM!