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Mittwoch, 10. Oktober 2007

Eva Herman und die Äpfel

Ach, es ist doch ein wahres Kreuz mit der Meinungsfreiheit: da hat man sie und nutzt sie auch eifrig, und dann erdreisten sich doch glatt böse Menschen, sich darüber zu beschweren. Es ist ja auch wirklich eine Riesensauerei, dass Frauen heute hart arbeiten müssen und nicht einfach gemütlich daheim am Herd stehen und Kinder kriegen können, so wie es sich Frau Herman vorstellt. Natürlich bin in höchstem Maße über diese Entwicklung beunruhigt und genau wie Frau Herman über ihre Karriere entsetzt.

Halten wir fest, ohne Jux und Dollerei: Frau Herman pflegt ein sehr konservatives Frauenbild. Sie geht davon aus, dass Deutschland unter dem stärker werdenden Individualismus leidet, dass Kinderkrippen nicht gut sind, und so weiter. Das ist ihr gutes Recht, schließlich leben wir in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit. Ein hohes Gut, wofür es sich zu kämpfen lohnt.


Bild: harleyccoper, Lizenz: CC-BY 2.0 US

Nun ist natürlich klar, dass diese These von der ehemaligen Nachrichtensprecherin in der breiten Bevölkerung mit Belustigung aufgenommen wurde, da sie schließlich niemals auch nur im Ansatz nach ihren eigenen Idealen gelebt hat (ein bisschen so wie unser hasenfüßiger Luxus-Linke aus dem Saarland mit eigenem Schloss, aber das nur am Rande).

Ihr zweites Büchlein über das Prinzip Arche Noah und die daraus resultierende Gefahr für Deutschland ist wohl von ähnlicher Qualität, aber nuja: auch hier gilt: Meinungsfreiheit auch für alberne Ansichten. Kein Problem, wir sind ja tolerant.

Was jedoch nicht geht: die Familienpolitik im Dritten Reich in irgendeiner Weise als Vergleich heranzuziehen:
Es ist völlig absurd und bösartig, mich in die rechte Ecke zu stellen. Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft. Und dazu gehören Werte, die uns auch vor dem Dritten Reich zusammengehalten haben und uns ja auch das Überleben gesichert haben. Familie nämlich.
Im Dritten Reich wurden Frauen, Kinder, Mütter und Familie nicht wegen des Wertes an sich gefördert. Sondern nur, um mehr Kanonenfutter für den Totalen Krieg zu haben. Der Historiker Wolfgang Wippermann stellt fest, dass Frau Herman „Faschismus mit Konservatismus“ verwechselt und dass die Frauen im Dritten Reich „wie Kühe für die Mutterzucht ausgezeichnet“ wurden. Und das ist ja das eigentliche Problem: Frau Herman hat sich aus eigener Kraft um Kopf und Kragen geredet. Der Auftritt bei Kerner war wohl ihr letzter. Ich kann nicht sagen, dass mich das sonderlich betroffen machen; Frau Herman war lange genug in den Medien vertreten, sie kennt die Spielregeln: Vergleiche mit Hitler und dem Dritten Reich sind tabu. (Im Internet ist dieser Sachverhalt als Godwins Gesetz bekannt.)

Das alles bedeutet nicht, dass man keine konservative Ansichten vertreten darf und dass Konservative deshalb nicht mehr in Talkshows eingeladen werden sollten. Die Lehre aus diesem Drama ist eine leichte: bevor man blöde Vergleiche anstellt, fragt man lieber einen Historiker.

Eine positive Seite hat das Ganze natürlich auch: die Satire-Zeitschriften haben frisches Futter und führende Nazis sind von Eva enttäuscht:
Wir um 1890 herum Geborenen wurden zwar regelmäßig ordentlich geschlagen und gedemütigt, damit wir, wie Sie in Ihren Büchern so schön anmerken, keine Weicheier werden. Aber es hat nicht gereicht. Sehen Sie doch nur, was aus mir geworden ist. Immer werde ich nur auf diese Autobahnen reduziert. Bin bestürzt. Ich möchte nicht mehr mit Ihnen in Zusammenhang gebracht werden.

Heile Gänschen, Ihr Adolf
Alles halb so schlimm. Frau Herman verkauft weiterhin ihr Buch, nervt jedoch nicht mehr in Talkshows. Und alle sind zufrieden.