Navigation

Sonntag, 23. März 2008

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“

Heute vor 75 Jahren stimmten mit Ausnahme der sozialdemokratischen Abgeordneten alle im Reichtstag vertretenen Parteien für das Ermächtigungsgesetz, das Hitler an die Macht brachte und die nationalsozialistische Diktatur etablierte. Damit war der Weg frei für Krieg, Zerstörung, Unterdrückung, Verfolgung und Tod von Millionen von Menschen.

Otto Wels’ mutige Rede, die letzte freie Rede im Reichstag, in der er die Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes durch die Sozialdemokratische Partei begründete, dient noch heute als leuchtendes Beispiel für wahren Mut und Liebe zur Demokratie:
Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.

Nach den Verfolgungen, die die Sozialdemokratische Partei in der letzten Zeit erfahren hat, wird billigerweise niemand von ihr verlangen oder erwarten können, daß sie für das hier eingebrachte Ermächtigungsgesetz stimmt. Vergeblich wird der Versuch bleiben, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.

Wir Sozialdemokraten wissen, daß man machtpolitische Tatsachen durch bloße Rechtsverwahrungen nicht beseitigen kann. Wir sehen die machtpolitische Tatsache Ihrer augenblicklichen Herrschaft. Aber auch das Rechtsbewußtsein des Volkes ist eine politische Macht, und wir werden nicht aufhören, an dieses Rechtsbewußtsein zu appellieren.

Otto Wels wurde im August 1933 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er starb 1939 im Pariser Exil.