Direkt zum Hauptbereich

Güllner: Mehr Demoskopie wagen!

Gestern wurde im Tagungs- und Bildungszentrum von Oer-Erkenschwick eine neue Partei gegründet, die bundesweit Furore machen könnte. Denn zu ihrem ersten Vorsitzenden wurde der einflussreiche Meinungsforscher Manfred Güllner, Leiter des Umfrage-Instituts „Forsa“, gewählt.

Im Gründungsaufruf, der gestern Abend im Internet veröffentlicht wurde, heißt es, die neue Partei wolle „mehr Demoskopie wagen“. Herkömmliche Wahlen seien zu teuer („Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“) und seien nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung („seit Jahren sinkende Wahlbeteiligung“). Die Demokratie als Staatsform sei gescheitert; an ihre Stelle wolle man die Demoskopie setzen. Zitat: „Eine Telefonumfrage kostet fast nichts und geht ruckzuck.“

Unter welchem Namen die neue Partei bei der Bundestagswahl antreten solle, werde man, so Vorstandsmitglied Erich Dimap, von einer „demoskopischen Erhebung“ abhängig machen. „Die Partei könnte zum Beispiel ‚Forsa Germania‘, ‚Die Rechte.GfK‘, ‚Die Allensbacher‘ oder einfach auch nur ‚GÜLLNER’s Liste‘ heißen.“ Als politische Erkennungsfarbe habe man sich für „die Farbe des Himmels“ entschieden: „Wir wollen das politische Spektrum im Bundestag um die Farbe Blau bereichern“, so Dimap.

Die politische Konkurrenz zeigte sich gegenüber der Neugründung aufgeschlossen. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla erklärte, er sei schon immer „ein leidenschaftlicher Anhänger der Demoskopie“ gewesen: „Wir in der CDU treffen seit Langem keine politische Entscheidung mehr, ohne sie vorher mit einer Umfrage abgesichert zu haben.“ Guido Westerwelle (FDP) ließ in einer Pressemitteilung verbreiten, ein „Fähnlein“ dürfe sich „nicht gegen den Wind stellen“. Deshalb sei die Demoskopie für ihn schon immer unverzichtbar gewesen.

Skeptisch hingegen zeigte sich SPD-Chef Kurt Beck: „Man muss die Vor- und Nachteile genau abwägen. Meine Partei hat bei regulären Wahlen eigentlich immer besser abgeschnitten als bei diesen Umfragen“, gibt er zu bedenken. Juso-Chefin Franziska Drohsel erklärte unterdessen, die Demoskopie sei ein „sozialismusgefährdendes Manipulations- und Agitationsinstrument der reaktionären Bourgoisie“. Ihr Verband lehne die Einführung demoskopischer Elemente deshalb geschlossen ab – jedoch habe sie noch nicht alle Juso-Mitglieder gefragt.

Allerdings: Noch ist unklar, ob bei der Gründung der Partei alles mit rechten Dingen zuging. Denn wie Recherchen des Hamburger Nachrichtenmagazins „DER SPIEGEL“ ergaben, wurde Güllner zuvor gar nicht gefragt, ob er überhaupt Vorsitzender der neuen Partei werden wolle. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich in der Zeitung las, dass ich jetzt Partei-Chef bin“, wird Güllner zitiert. „Ich wusste davon nichts. Die haben mich einfach gewählt.“ Er werde jetzt in Ruhe entscheiden, ob er die Wahl annehme.

PS: Wie in den Kommentaren so richtig festgestellt wurde, handelt es sich hier natürlich um einen Aprilscherz, präsentiert von den WebSozis.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Totale und geschützte Freiheit: GPL und BSD

Der Platzhirsch unter den Freie-Software-Lizenzen ist die GPL, die GNU General Public Licence. Sie wurde hauptsächtlich von Richard Stallman geschrieben, dem Gründer des GNU-Projekts, und kann ohne Übertreibung als „größter Hack in der Geschichte des Urheberrechts“ bezeichnet werden.

Die GPL hat das Ziel, so viel Software wie möglich zu Freier Software zu machen; die Entscheidung, die GPL zu verwenden, ist somit auch immer ein Stück weit ideologisch motiviert. Im Gegensatz zur GPL haben BSD-artige Lizenzen kein Copyleft; dies bedeutet, dass davon abgeleitete Software nicht unter der gleichen Lizenz stehen muss. GPL-geschützte Software hingegen macht jegliches Programm, das auf GPL-Quelltext zurückgreift, ebenfalls zu GPL-Software. Diese Eigenschaft wird von Microsoft gerne als „virusartig“ und Linux als „Krebsgeschwür“ beschrieben. Im Grunde genommen die übliche Mircosoft’sche FUD-Politik, die das Ziel hat, gezielt Fehlinformationen zu verstreuen und potenzielle Nutzer abzuschrecken. E…

Zur Zusammenarbeit von CDU und Linkspartei

Weil gerade auf Twitter einige CDU-Nachwuchspolitiker vor Kraft kaum mehr laufen können und rumproleten, dass es niemals auch nur irgendeine Zusammenarbeit zwischen CDU und Linkspartei gäbe, erlaube ich mir, auf einen schon etwas älteren Blog-Eintrag von Michael Neumann hinzuweisen:
In Zwickau sind Absprachen zwischen CDU und Linkspartei Alltag. So wurde der Zwickauer Bevölkerung in einer Zeitungsanzeige, in der die CDU gemeinsam mit der Linkspartei sowie der „AG Zwickau“ (Wählervereinigung) für die Streichung von zwei der fünf Beigeordnetenposten warb, mitgeteilt: „Diese drei Fraktionen vertreten (…) den überwiegenden politischen Willen und sind gemeinsam in der Lage, diesen in Beschlüsse münden zu lassen.“ (Wochenspiegel, 23.4.2008, FAZ, 10.6.2008).

In Cottbus kandidierte im Oktober 2006 der CDU-Politiker Holger Kelch unter dem Dach eines Wahlbündnisses mit der damaligen Linkspartei.PDS für das Amt des Oberbürgermeisters. Er verlor zwar gegen den Kandidaten der SPD, Frank Szymanski. D…

BADABOOM!