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Freitag, 11. April 2008

Roman Herzog sollte sich schämen

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog tauchte in der letzten Zeit einige Male in den Medien auf: zuerst mit der Forderung, die Demokratie in Deutschland nachhaltig zu beschädigen und vom Verhältniswahlrecht zu einem Mehrheitswahlrecht zu wechseln, und das angeblich nur, weil er sich Sorgen um die Stabilität des politischen Systems in Deutschland machte. Wegen einer einzigen Partei sollten wir seiner Meinung nach ein System nachhaltig verändern, das bisher ausgezeichnet funktioniert hat und das Vorbild für andere Demokratien in der Welt ist. Nicht umsonst sehnt man sich immer nach den Kirschen aus Nachbars Garten: Staaten mit Mehrheitswahlrecht wünschen sich mehr Vielfalt wie in Staaten mit Verhältniswahlrecht, während diese die stabilen und klaren Verhältnisse jener bewundern. Dieser gegenseitige Neid ist jedoch reichlich sinnlos: beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, leichtfertig abschaffen oder ändern sollte man keines davon.

Nun jedoch ist Roman Herzog wieder in den Medien. Und er spricht davon, dass Ältere die Jugend ausplündern würden. Dass Deutschland in Gefahr wäre, eine Rentner-Demokratie zu werden. (Dass er damit den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt, wie Albrecht Müller meint, denke ich nicht, allerdings bin ich kein Jurist und kann das nicht wirklich einschätzen. Allein die Tatsache, dass ich darüber nachgedacht habe, macht mich jedoch stutzig, schließlich reden wir hier von einem ehemaligen Bundespräsidenten, de jure das mächtigste Amt Deutschlands.) Roman Herzog selbst ist finanziell hervorragend versorgt, da kann man von Rentnerinnen und Rentnern ruhig Opfer verlangen. Glaubt er. Und gefährdet damit den öffentlichen Frieden. Konflikte zwischen den Generationen gibt es immer, seien es nun harmlose Differenzen bzgl. des Musikgeschmacks oder tiefschürfende wie zu Zeiten der 68er - da braucht man wirklich keinen Alt-Politiker, der von oben herab diesen Konflikt schürt und die Saat der Zwietracht sät.

Roman Herzog sollte sich wirklich schämen: so alt und kein bisschen weise.