Navigation

Montag, 11. August 2008

Hat Broder am Ende doch Recht?

Ich dachte bisher immer, dass Henryk M. Broder gnadenlos übertreibt mit seinem Vorwurf, wir würden uns selbst in unserer Meinungsfreiheit einschränken und vor dem Islamismus kapitulieren - wenn ich aber bei Jörg Lau lese, dass ein Kabarettist sich weigert, Witze über den Islam zu machen, weil er Angst hat, dann komme ich doch ins Grübeln:
Jonas: Religiöse Gefühle muss man immer respektieren, aber ich bin zutiefst überzeugt: Einen tiefgläubigen Menschen kann ein Witz nicht verletzen! Wie sollte er? Nein, ich finde die Erfahrungen mit dem Karikaturenstreit so extrem, dass ich mich hüten werde, auf der Bühne das Falsche zu sagen.
ZEIT: Zensieren Sie sich damit nicht selbst?
Jonas: Ja, täglich, immer wieder. Wo kommen wir hin, wenn jeder sagt, was er denkt. Ich bin doch auch unsicher! Henryk M. Broder hat uns allen sehr polemisch vorgehalten, dass wir vor den islamischen Fundamentalisten in die Knie gehen. Er hat recht, es ist so. Und das betrifft uns alle. Ich glaube nicht, dass die ZEIT sich da ausnehmen kann, und ebenso wenig glaube ich, dass das Kabarett hier verpflichtet ist, als Speerspitze zu agieren.

Das ist schon bitter, aber immerhin ehrlich.
Und doch fatal. Denn damit überläßt man den Fundamentalisten die Definition des Erlaubten. Sie haben gewonnen. Sie haben die Bedingungen des Möglichen diktiert.
Wie kann man, wenn man sich auf dieses Spiel eingelassen hat, erhobenen Hauptes Witze über die deutsche Politik oder die Kirche oder werweißwen machen und sich dabei nicht sehr mickerig vorkommen?
Der Schlussfolgerung kann ich nur zustimmen: es ist doch wirklich armselig, sich nur an schwachen Gegnern abzuarbeiten und nichts zu riskieren. Da kann man Dänemark für den Mut beim Karikaturenstreit wirklich nur gratulieren.