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Sonntag, 3. August 2008

Pendlerpauschalen-Hickhack

Da die Meinungen stark divergieren, ab welchem Kilometer die Pendlerpauschale gezahlt werden soll, mache ich einfach mal einen unorthodoxen Vorschlag:

Wie wir alle wissen, ist die derzeitige Regelung tatsächlich nicht so schlüssig, wie Ute Vogt richtig feststellt: wer nahe an seinem Arbeitsplatz wohnt und vielleicht sogar noch deshalb umgezogen ist, wird dafür auch noch bestraft - wer weiter fährt und damit der Umwelt massiv schadet, wird
belohnt, indem die Kosten zu weiten Teilen übernommen werden.

Die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer wieder einzuführen, ist allerdings nicht wirklich sinnvoll - 50 Euro Ersparnis pro Bürger sind für eine Einzelperson quasi nichts, für den Staat jedoch summieren sich diese 50 Euro pro Monat zusammen auf mehrere Milliarden.

Insofern komme ich zu einer anderen Schlussfolgerung als Ute Vogt: die Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer sollte nicht eingeführt werden, sondern ganz im Gegenteil sollte die Pendlerpauschale komplett abgeschafft werden.

Wer außerhalb der Großstadt wohnt und deshalb Schwierigkeiten hat, mit Bus und Bahn den Arbeitsplatz zu erreichen, genießt dafür andere Annehmlichkeiten: relativ günstiges Bauland, bessere Luft, mehr Grünflächen.

Im Grunde genommen ist die Pendlerpauschale ein Anachronismus: jeder spricht davon, dass man etwas für das Klima und die Umwelt tun müsse, aber niemand will bei sich anfangen. Wer partout nicht auf das Auto auf dem Weg zur Arbeit verzichten kann, dem steht es jederzeit offen, Einsparmaßnahmen zu ergreifen: es gibt die Möglichkeit, ein kleineres Auto zu kaufen, man kann Fahrgemeinschaften bilden; man kann versuchen, einen Teil der Strecke mit dem Auto und den Rest mit Bus und Bahn zu bewältigen.

Die Eigenverantwortlichkeit würde hierbei gestärkt. Wer einen 100km entfernten Job annimmt, dürfte auch entsprechend bezahlt werden - wieso hier der Staat zusätzliche Hilfe leisten sollte, erschließt sich mir nicht so wirklich.

Mobilität ist ein hohes Gut - aber in Zeiten von steigenden Öl-Preisen, die alle bekannten Grenzen sprengen, muss das Konzept möglicherweise überdacht werden. Wir brauchen einen besseren öffentlichen Nahverkehr - der Ausbau könnte durch den Wegfall der Pendlerpauschale sicherlich finanziert werden, somit kämen die Steuermilliarden auch allen Bürgern zugute und nicht nur einem Teil. Vor allem profitierten dann diejenigen, die sich die alte Mobilität aus den 70er Jahren, als jeder ein eigenes Auto sein eigen nannte, schon lange nicht mehr leisten können.