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Für eine Handvoll Dollar

Die amerikanische Regierung hat AIG überommen, den zweitgrößten Versicherer der Welt. Für 85 Milliarden Dollar. Natürlich Steuergelder, was auch sonst. Ein Zusammenbruch von AIG hätte unweigerlich weitere Unternehmen mit in den Tod gerissen, weshalb AIG geretten werden musste: AIG ist too big to fail. So zumindest der gängige Tenor in der Wirtschaftspresse, die vom Don ihr Fett wegbekommt.

Die ganze Situation wirft jedoch eine Frage auf, die von Prof. Willem Buiter auch gestellt wird: wenn AIG tatsächlich zu groß ist, um untergehen zu dürfen, warum hat dann niemand verhindert, dass AIG so groß wurde? Buiter sieht mit der Verstaatlichung von AIG das Ende des amerikanischen Kapitalismus (via) gekommen: er stellt weiterhin die Frage, ob es nicht damit an Zeit sei, solche Banken und Versicherer nicht dauerhaft in öffentlicher Hand zu behalten. Denn die Tatsache, dass Versicherer ab einer gewissen Größe nicht mehr versichert werden können, führt dazu, dass der Staat diese Garantie übernehmen muss: und damit haben diese Unternehmen eine Lizenz zum Gelddrucken.

Ich bin ja gespannt, wann in Deutschland die erste Privatbank fällt. Wird es die Dresdner/Commerzbank sein oder doch die Deutsche Postbank? Victory-Ackermann hat sich jedenfalls noch nicht zur Thematik geäußert, nachdem er letzte Woche ja erst erklärt hat, die Krise sei bald vorbei. Ein echter Witzbold, der Gute. Erst die Lehman-Pleite, nun die AIG-Verstaatlichung. Aber eine Krise? Welche Krise denn! Bitte! Achso, ja, Bear Stearns wurde ja auch erst vor ein paar Monaten gerettet. Und Millionen von Amerikanern sind finanziell ruiniert und leben in Zelten. Aber um die geht es ja nicht. Sind ja nur Menschen.

Im Übrigen: Dass Ackermann jetzt gehypt wird für seine Entscheidung, die Postbank zu kaufen, ist mir auch unbegreiflich. Das gleiche Konzept verfolgen die Sparkassen schon immer: alle Sparten unter einem Dach. Wenn eine Sparte mal Miese macht, können es die anderen ausgleichen. (Extrem vereinfacht ausgedrückt.) Auch die Volksbanken profitieren von ihrem Genossenschaftsmodell.

Man darf auch gespannt sein, inwiefern Lafontaine die Verstaatlichung von AIG nutzen wird. Ich bin mir auch hochgradig unsicher, ob der Verkauf der IKB-Anteile so eine gute Idee war: wäre es nicht klüger gewesen, sie ebenfalls komplett zu verstaatlichen und zu einer 100prozentigen Tochter von der KfW zu machen?

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