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Mittwoch, 8. Oktober 2008

Ideologische Verblendung bei Liberalen und Kommunisten

Unbemerkt bei dieser ganzen Bankenkrise-Problematik bricht wohl gerade für viele marktradikale Wirtschaftsliberale wie Guido Westerwelle eine Welt zusammen. Wenn er das nächste Mal seinen ewigen Sermon von weniger Staat loslässt, sollte man ihn mal daran erinnern, dass der Markt nach dem Staat gerufen hat. Und dass die Staatsquote seit wir sozialdemokratische Regierungsbeteiligung haben, kontinuierlich gesenkt wurde. Dazu war die CDU/FDP-Regierung 16 Jahre lang nicht in der Lage.

Christian der II. bringt es in einem Kommentar beim A-Team auf den Punkt: Liberale/Libertäre sind, genau wie Kommunisten auch, ideologisch verblendet. Ihre Ideologien funktionieren vielleicht auf dem Papier, haben mit der Wirklichkeit aber nichts zu tun. Der Kommunismus russischer und chinesischer Prägung hat Millionen von Menschen das Leben gekostet. Kommunisten antworten darauf stereotyp, das sei ja kein richtiger Kommunismus gewesen. Die Theorien von Marx und Engels wären nicht korrekt umgesetzt worden. Der Fehler lag bei den Menschen, nicht an der Theorie.

Der Kapitalismus hat gesiegt. Doch die Liberallalas wollten mehr: der Staat ist in der liberalen Ideologie der Feind. Liberalisierung war das neue Zauberwort, die neue Wunderwaffe. Freiheit war nur noch die Freiheit des Marktes, die Freiheit des Eigentums. Nicht mehr die Freiheit des Menschen.

Hayek und Marx

Die Folgen dieses wirtschaftsliberalen Gedankenguts sind offensichtlich: internationale Bankenkrise, der "böse Staat" muss die Ferrari-fahrende Geldelite bail-outen, weil sonst alles in die Brüche ginge. Doch statt in Sack und Asche zu gehen, reagieren Liberale und Libertäre ähnlich verschnupft wie die Kommunisten: das sei ja nicht die reine Lehre gewesen. Nur wenn die Ideen Hayeks zu 100% umgesetzt werden, könne die unsichtbare Hand walten und schalten und der freie Markt funktioniere.

Beiden Ideologien ist gemeinsam, dass sie auf dem Papier ganz nett klingen. Im Kommunismus ist es der Gemeinschaftsgedanke, der auf den ersten Blick wie eine tolle Idee aussieht, im Liberalismus ist es das Gegenteil davon: wer hat sich nicht schon einmal über eine unsinnige Vorschrift, eine unsinnige Regelung geärgert, wer hat nicht schon einmal über "den Staat" geschimpft?

Beiden Ideologien ist jedoch auch gemeinsam, dass sie nichts mit der Realität zu tun haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, der Staat, der ja nichts weiter ist als die äußere Form eines Zusammenschlusses von Menschen, kann deshalb nicht "der Feind" sein. Er kann jedoch auch nicht die Lösung für alle Probleme sein.

Beide Extreme sind genau das: extrem. Nette Gedankenspielchen, die man aber besser nicht umsetzen sollte. Da man sie nicht umsetzen kann. Die Bankenkrise hat das gezeigt. Hierzu passt der Kommentar von Robert von Heusinger in der gestrigen Frankfurter Rundschau:
Denn die Welt von morgen wird eine andere sein. Das ist der Preis dafür, dass Banken und Aktionäre nach dem Staat rufen, der es richten muss. Ziemlich sicher werden die Kosten der Regulierung immens sein, werden die Gewinne nie wieder so kräftig sprudeln. Weil die ganze Unternehmenspolitik konservativer werden wird, erzwungenermaßen. Die Verschuldung wird Grenzen unterliegen, aber auch die Löhne werden in dem neuen, sozialeren System wieder stärker steigen, weil die Macht der Aktionäre in die Schranken gewiesen wird.

Drei Jahrzehnte Bonanza am Aktienmarkt sind nun endgültig beendet. Auf Wiedersehen Eigenkapitalrenditen von 15 Prozent und mehr. Guten Tag Bescheidenheit.