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Freitag, 27. Februar 2009

Entlassen wegen hundertdreißig Cent

In Berlin wurde eine Frau nach 30-jähriger Tätigkeit entlassen, weil sie Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen haben soll. Ich halte dieses Urteil für empörend, es ist meiner Meinung nach eine Schande für die Juristenzunft, der es an jeglicher Empathie zu fehlen scheint:
Zwar stellten die Richter, auch im zweiten Prozess, widersprüchliche Aussagen zur Tat fest. Aber allein der schwerwiegende Verdacht der strafbaren Handlung war für die Gerichte Grund genug, dem Arbeitgeber Recht zu geben.

Im Zweifel für den Kläger/Arbeitgeber, oder wie darf man das verstehen?

Wolfgang Thierse meint: "Das ist ein barbarisches Urteil von asozialer Qualität." Ich bin seiner Meinung.



PS: Die Kommentare bei welt.de sind wie immer größtenteils abstoßend (die "fette Diebin hat's verdient", "bei Scharia hieße es 'Hand ab'" usw.), aber es sind doch auch zwei sehr erhellende dabei:
joachim:
Diese Richterin hat die Akten dieses Falls offensichtlich mit wenig Interesse studiert,denn wenn es so wäre hätte sie gemerkt das Kaiser's hier in diesem Fall nur eine Deutschlandweit übliche Firmenphilosophie verfolgt, nähmlich gut ausgebildete Fachkräfte durch Billiglohnkräfte zu ersetzen.Denn um nichts anderes ging es hier in diesem Fall.
Das schlimmste an der Geschichte ist: Die haben das Gestz auf ihrer Seite.

Wolfgang:
Es gibt ein Buch Die Billiglüge, Die Tricks und Machenschaften der Discounter von Franz Kotteder, Verlag Droemer ISBN .10: 3.426.27371.3. Dort steht beschrieben, wie man störende Mitarbeiter fertig macht.
Die Kassiererin ist nach diesen Regeln reingelegt worden. Die Richterin bekommt genau den Sachverhalt vorgelegt, den sie gar nicht anders subsumieren kann. Sie wird für die Zwecke des Discounters eingespannt.
Schön das Lidl enorme Umsatzrückgänge hat, seitdem ganz Deutschland weiss, wes Geisteskind Herr Schwarz (Videoaufnahmen) ist. Wie gesagt, steht alles seit 2005 in Die Billiglüge. Auch das Herr und Frau Schlecker acht Monate auf Bewährung für 1 Mio Hinterziehung von Sozialabgaben bekommen haben. Da ist Zumwinkel doch noch anständig gegen.
Wolfgang